Heidi – mein englisches Mädchen

Zindika Ojambo – 11 Jahre Liebe. 11 Jahre Vertrauen. 11 Jahre Vermächtnis.
Manchmal beginnt eine Geschichte Jahre, bevor man es überhaupt merkt.
Meine Geschichte mit Heidi begann nicht an dem Tag, an dem sie bei mir einzog.
Sie begann in England. Mit einem Rüden namens Teddy.
Ich erinnere mich noch genau an diesen Moment. Teddy bewegte sich mit einer Selbstverständlichkeit durch sein Rudel, die mich tief beeindruckte. Kein Imponieren. Kein unnötiges Kräftemessen. Kein typisches Rüdengehabe.
Er musste niemandem beweisen, wer er war. Er wusste es einfach.
Diese innere Ruhe, diese Freundlichkeit und diese Gelassenheit haben mich nicht mehr losgelassen. In diesem Moment entstand ein Wunsch, den ich damals selbst noch nicht richtig greifen konnte: Wenn ich eines Tages einen Hund aus dieser Linie haben dürfte, dann sollte es eine Tochter von Teddy sein.

Zwei Jahre später…
Zwei Jahre später zog tatsächlich eine Tochter von Teddy in mein Leben.
Heidi
Noch heute sehe ich dieses kleine Mädchen vor mir. Neun Wochen alt, voller Neugier, voller Mut und mit diesem ganz besonderen Blick, der schon damals irgendwie mehr wusste, als ein Welpe in diesem Alter eigentlich wissen kann.
Unser erster gemeinsamer Urlaub führte uns an die Ostsee, nach Travemünde.
Strand, Wind, Sand unter den Pfoten, neue Gerüche, neue Geräusche und ganz viele kleine Abenteuer.
Heidi war dabei einfach Heidi.
Lustig. Offen. Entspannt. Neugierig auf die Welt.
Sie nahm alles an, als hätte sie nie etwas anderes gemacht. Kein großes Drama, keine Unsicherheit, sondern diese besondere Mischung aus kindlicher Lebensfreude und einer inneren Ruhe, die mich schon damals an ihren Vater Teddy erinnerte.
Vielleicht wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht, welche Bedeutung diese kleine Hündin eines Tages für mein Leben haben würde.
Aber ich glaube, mein Herz wusste es längst.

Die Drei
Wenn ich heute auf Heidis Leben zurückblicke, dann gibt es einen Hund, dem ich von ganzem Herzen danken möchte.
Meiner Klee. Klee war mein Seelenhund.

Ein Hund, der mich auf eine Weise geprägt hat, wie es Worte kaum beschreiben können. Sie war meine Vertraute, mein Fels in der Brandung und für mich der Inbegriff von Ruhe, Weisheit und Liebe.
Dass ausgerechnet Heidi mit ihr aufwachsen durfte, gehört zu den größten Geschenken, die das Leben mir gemacht hat.
Ich durfte jeden Tag beobachten, wie Klee die kleine Heidi mit einer unendlichen Geduld an die Pfote nahm. Ohne Druck. Ohne Strenge. Einfach mit dieser wunderbaren Selbstverständlichkeit, die nur ganz besondere Hunde besitzen.
Sie zeigte ihr die Welt. Sie gab ihr Sicherheit. Sie lehrte sie Vertrauen. Und sie war immer da, wenn Heidi Orientierung suchte.
Es gab keinen Unterricht. Keine Regeln. Keine Kommandos. Es waren die kleinen Augenblicke des gemeinsamen Lebens, die Heidi geprägt haben.
Ein Moment hat sich dabei für immer in mein Herz eingebrannt. Als Klee ihre Welpen bekam, durfte die kleine Heidi dabei sein. Sie saß dort mit ihren neugierigen Welpenaugen und beobachtete dieses Wunder des Lebens voller Aufmerksamkeit.
Damals konnte niemand ahnen, welche Bedeutung dieser Augenblick einmal haben würde.
Heute glaube ich, dass Klee Heidi viel mehr hinterlassen hat als Erinnerungen. Sie hat ihr ein Stück von sich selbst geschenkt. Und jedes Mal, wenn ich heute sehe, wie die inzwischen elfjährige Heidi mit der kleinen Mykou umgeht, sehe ich plötzlich Klee wieder.
Die gleiche Geduld. Die gleiche Ruhe. Die gleiche liebevolle Gelassenheit.
In diesen Momenten wird mir bewusst, dass Liebe und Charakter manchmal über Generationen weitergegeben werden – nicht nur durch Gene, sondern durch gemeinsames Leben.
Ich bin unendlich dankbar, dass Heidi von meiner Klee lernen durfte. Und ich bin stolz darauf, dass ein Teil von Klee bis heute in Heidi weiterlebt.









Heidi 
Pause 


Heidi 
Heidi 


Mit der Zeit wurde aus dem kleinen Welpen eine wunderschöne junge Hündin.
Gemeinsam erlebten wir unzählige Abenteuer. Wir zogen von Bad Münstereifel nach Adenau, bauten uns dort ein neues Zuhause auf und begannen gemeinsam einen neuen Lebensabschnitt. Heidi war dabei nie einfach nur „mit dabei“. Sie war immer mittendrin.
Sie begleitete mich durch gute Zeiten, trug mich durch schwierige Momente und war mit ihrer ruhigen Art immer genau dort, wo sie gebraucht wurde.
Natürlich führte uns unser gemeinsamer Weg auch auf zahlreiche Ausstellungen. Doch wer mich kennt, weiß, dass ich nie wegen Pokalen oder Schleifen dorthin gefahren bin. Ich wollte der Welt einfach zeigen, was für ein außergewöhnlicher Hund an meiner Seite lebte. Richter aus den unterschiedlichsten Ländern sahen genau das, was ich jeden Tag sehen durfte. Nicht nur eine wunderschöne Rhodesian Ridgeback-Hündin. Sondern eine Hündin mit Ausstrahlung, Charakter und einer ganz besonderen Präsenz.
Mit jeder Ausstellung wuchs unsere gemeinsame Geschichte. Und irgendwann war es soweit. Heidi erhielt ihren Multi-Champion-Titel – und das aus der Offenen Klasse heraus.
Natürlich war ich stolz. Unfassbar stolz. Nicht wegen des Titels. Sondern weil dieser Titel für mich etwas ganz anderes bedeutete. Er war die Anerkennung für einen Hund, den ich von ganzem Herzen liebte.
Für mich war Heidi nie ein Champion wegen ihrer Urkunden. Sie war mein Champion vom ersten Tag an.
Die Zuchtzulassung war schließlich nur ein weiterer Schritt auf unserem gemeinsamen Weg. Nicht der Beginn einer Zucht. Sondern die Möglichkeit, all das weiterzugeben, was Heidi für mich so besonders machte: ihren Charakter, ihre Gelassenheit, ihre Freundlichkeit und dieses unvergleichliche Wesen, das schon ihr Vater Teddy in sich getragen hatte.
Es gibt ein Kapitel in unserer gemeinsamen Geschichte, über das ich lange nachgedacht habe, ob ich es überhaupt erzählen soll. Heute, an deinem elften Geburtstag (2026), möchte ich es.
Nicht, weil ich jemanden anklagen möchte. Sondern weil ich dir etwas sagen möchte. Heidi, es tut mir leid !
Es tut mir unendlich leid, dass ich dich bei deinem ersten Wurf nicht selbst begleitet habe. Damals war ich überzeugt, die richtige Entscheidung zu treffen. Ich habe Menschen vertraut und an gegebene Worte geglaubt – so, wie ich es immer getan habe. Doch ist es nur bei den Worten geblieben und das Versprechen wurde NIE erfüllt.
Es gibt Entscheidungen, die ich heute anders treffen würde. Nicht aus Bitterkeit. Sondern, weil das Leben mich gelehrt hat, genauer hinzusehen. Seit dieser Zeit höre ich weniger auf Worte und achte mehr auf Taten. Diese Erfahrung hat mich verändert – aber sie hat mir auch gezeigt, wie wertvoll Loyalität und Vertrauen wirklich sind.
Als ich dich damals wieder in meine Arme schließen durfte, war die Freude unbeschreiblich. Ich werde nie vergessen, wie sehr du dich gefreut hast, wieder nach Hause zu kommen. Und ich hatte das Gefühl, dass nicht nur ich in diesen Monaten etwas gelernt hatte.
Auch du hattest dich verändert. Du warst noch näher bei mir, noch anhänglicher als zuvor. Als hättest du beschlossen, keinen Schritt mehr von meiner Seite zu weichen. Selbst mit meinen Kindern, die du über alles liebst, gingst du von da an nicht mehr einfach mit. Du orientiertest dich an mir – immer.
Vielleicht bilde ich es mir ein. Vielleicht war es aber auch unsere gemeinsame Geschichte, die uns beide geprägt hat. Du hast gelernt, noch enger an meiner Seite zu bleiben. Und ich habe gelernt, mein Vertrauen nicht mehr leichtfertig zu verschenken. Es war keine schöne Lektion. Aber sie hat uns beide zu dem gemacht, was wir heute sind.
Die Vergangenheit kann ich nicht mehr ändern. Aber ich kann dir heute eines versprechen: Ich werde immer auf mein Herz hören. Denn du hast mir in all den Jahren gezeigt, dass bedingungslose Liebe kein Versprechen ist.
Sie ist eine Entscheidung – jeden einzelnen Tag.
Und dafür danke ich dir.
Heidis 11. Geburtstag von Diana Rohmann
Als meine Heidi Mama wurde
Es gibt Augenblicke, die man nie vergisst. Der 6. März 2020 ist für mich einer davon. Noch heute bekomme ich Gänsehaut, wenn ich dieses Bild betrachte. Gerade erst war dieses kleine Wesen geboren – und Heidi schaute es an, als hätte sie im selben Moment verstanden:
„Von jetzt an passe ich auf dich auf.“
In diesem Augenblick wurde aus meiner verschmusten, liebevollen Heidi eine Mama. Eine Mama voller Ruhe, Fürsorge und bedingungsloser Liebe. Genau diese Eigenschaften haben sie ihr ganzes Leben ausgezeichnet – lange bevor sie Welpen bekam und bis heute.
Dieses Bild erinnert mich jedes Mal daran, dass Liebe keine Worte braucht. Sie zeigt sich in einem Blick. Und manchmal erzählt genau dieser Blick mehr als tausend Worte.

Unsere kleinen Sterne
„Die Leute haben ihre Sterne. Für jeden sind sie anders… Du aber wirst Sterne haben wie niemand sonst.“
– Antoine de Saint-Exupéry, Der kleine Prinz
Als wir unserem zweiten Wurf den Namen „Estrellas“ gaben – Sterne –, konnten wir nicht ahnen, welche Bedeutung dieser Name nur wenige Wochen später für uns bekommen würde.
Am 25. Juni 2021 brachte Heidi voller Ruhe und instinktiver Sicherheit zwölf wundervolle Welpen zur Welt.
Wenn ich dieses Bild heute anschaue, sehe ich nicht einfach eine Hundemama. Ich sehe Stolz. Ich sehe Liebe. Und ich sehe eine Hündin, die ihre kleinen Sterne mit allem beschützt, was sie hat.
Damals glaubten wir noch, der schwerste Teil läge hinter uns. Doch nur wenige Wochen später sollte sich unser Leben innerhalb einer einzigen Nacht für immer verändern.
Davon erzähle ich im nächsten Kapitel unserer gemeinsamen Reise.

Als unsere Welt stillstand
Die schlimmsten 24 Stunden meines Lebens.
Es gibt Erinnerungen, die man nicht hinter sich lassen kann. Egal, wie viele Jahre vergangen sind. Egal, wie oft man versucht, nach vorne zu schauen. Die Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 gehört für mich dazu – die Flutkatastrophe. Ich werde sie niemals vergessen. Nicht die Wassermassen, die plötzlich durch unseren Garten schossen.
Nicht die Angst um meine Familie. Nicht die Sorge um unsere gerade einmal drei Wochen alten Welpen. Und schon gar nicht die Bilder, die sich für immer in mein Herz eingebrannt haben.
Während ich diese Zeilen schreibe, laufen mir noch immer die Tränen über das Gesicht.
Nicht, weil ich in der Vergangenheit leben möchte. Sondern weil manche Erinnerungen niemals aufhören, weh zu tun. Ich dachte damals, das Schlimmste läge hinter uns. Ich wusste nicht, dass ich nur wenige Stunden später auch noch um das Leben meiner Heidi kämpfen würde.
Dass ich auf dem Weg zum Tierarzt durch eine Welt fahren musste, die es so nicht mehr gab. Eine Welt voller Zerstörung, Schmerz und unvorstellbarer Trauer. Diese vierundzwanzig Stunden haben mein Leben verändert. Und ich glaube, sie werden mich bis an mein Lebensende begleiten.
Am Morgen des Freitags -16. Juli hatte Heidi plötzlich über 40 Grad Fieber.
Sie war apathisch, wollte nicht mehr fressen und ich spürte sofort, dass etwas ganz und gar nicht stimmte.
Ich packte sie ins Auto und fuhr mit ihr zum Tierarzt. Der Weg dorthin führte durch Müsch und einen Teil des verwüsteten Ahrtals bis nach Antweiler.
Bis heute fehlen mir die Worte für das, was ich dort gesehen habe. Dort, wo noch am Vortag Straßen gewesen waren, klafften plötzlich riesige Löcher. Brücken waren einfach verschwunden. Häuser standen nicht mehr. Autos hingen in den Bäumen oder lagen meterweit von der Straße entfernt. Überall lagen Möbel, Kleidung und persönliche Erinnerungen von Menschen, die innerhalb weniger Stunden alles verloren hatten.
Und dann waren da diese roten Fahnen und Eimer. Sie bedeuteten, dass an diesen Stellen menschliche Überreste gefunden worden waren. In diesem Moment wurde mir erst bewusst, welches unvorstellbare Ausmaß diese Katastrophe wirklich hatte.
Ich saß im Auto und konnte meine Tränen nicht mehr zurückhalten. Als ich in der Tierarztpraxis ankam, fielen wir uns erst einmal wortlos in die Arme. Wir weinten.
Nicht, weil wir schwach waren. Sondern weil es Momente gibt, in denen Worte einfach nicht mehr ausreichen.
Dann wurde Heidi untersucht. Die Diagnose traf mich wie ein weiterer Schlag. Sie hatte eine schwere Entzündung der Gebärmutter. Trotz Antibiotika verschlechterte sich ihr Zustand so schnell, dass es keine andere Möglichkeit mehr gab.
Noch am selben Tag musste sie notoperiert werden. Die Tierärztin sagte mir später einen Satz, den ich niemals vergessen werde:
„Hätten wir noch länger gewartet, hätte Heidi das wahrscheinlich nicht überlebt.“
In diesen Stunden hatte ich das Gefühl, alles um mich herum zu verlieren. Draußen kämpften unzählige Menschen um ihre Angehörigen, ihre Häuser und ihre Zukunft. Und ich kämpfte um das Leben meiner besten Freundin.
Ein Dank, der von Herzen kommt
Es gibt etwas, das ich an dieser Stelle niemals vergessen möchte. Bei all dem Schmerz, der Angst und der Hilflosigkeit gab es auch etwas anderes. Unglaublichen Zusammenhalt.
Meine Welpeneltern waren nicht einfach nur Familien, die auf ihre kleinen Estrellas warteten.
Sie wurden zu Menschen, die einfach da waren. Sie halfen beim Aufräumen. Sie packten mit an. Sie hörten zu.
Sie nahmen mich in den Arm. Sie fragten nicht, was sie tun sollten – sie taten es einfach.
Auch unsere Familie, Freunde und all die Menschen, die uns in dieser schweren Zeit begleitet und unterstützt haben, haben uns Kraft gegeben, als wir selbst kaum noch welche hatten.
Dafür gibt es bis heute keine Worte, die groß genug wären. Von Herzen danke.
Ihr habt nicht nur beim Aufräumen geholfen. Ihr habt mitgeholfen, unsere Hoffnung wieder aufzubauen.
Dafür werde ich euch mein Leben lang dankbar sein.

Und heute…
Nach der Flut begann für uns ein neuer Lebensabschnitt. Dank einer ganz besonderen Welpenfamilie fanden wir unser neues Zuhause – hier in Baar.
Sie entdeckten das Haus für uns im Internet und legten damit, ohne es zu ahnen, den Grundstein für ein neues Kapitel unseres Lebens. Bis heute bin ich dafür unendlich dankbar.
Heidi hat in all den Jahren nie aufgehört, das zu sein, was sie schon immer war. Eine wundervolle Hündin. Eine liebevolle Begleiterin. Und irgendwie… immer auch eine Mama.
Egal, ob es ihre eigenen Welpen waren oder die Welpen von den anderen Mädels – Heidi war immer dabei.
Mit einer unglaublichen Ruhe, einer bewundernswerten Geduld und einem Feingefühl, das mich bis heute staunen lässt. Dabei hat sie sich niemals einfach eingemischt. Sie schaute zuerst zu mir. Dann zur Mutter der Welpen.
Fast so, als würde sie fragen: „Darf ich?“- Und erst wenn alles in Ordnung war, legte sie sich zu den Kleinen, putzte sie liebevoll oder spielte ganz vorsichtig mit ihnen.
Keine einzige meiner Hündinnen hatte jemals ein Problem damit. Im Gegenteil. Es war, als wüssten sie alle, dass Heidi nur eines wollte: Liebe schenken.
Erst vor wenigen Wochen hat sie mir wieder gezeigt, dass dieser Instinkt niemals verschwindet. Mit elf Jahren. Kastriert. Und trotzdem noch immer voller Fürsorge für die nächste Generation. Für mich ist und bleibt Heidi etwas ganz Besonderes. Ihre Kinder tragen vieles von ihr in sich. Ihre Ruhe. Ihre Freundlichkeit. Ihre Sanftheit. Vielleicht auch ihren liebevollen Blick.
Aber eines ist sicher: Eine zweite Heidi wird es niemals geben. ❤️
Heute feiert unsere große Dame ihren 11. Geburtstag. Ja, der Rücken zwickt inzwischen manchmal ein wenig.
Und ihre Augen werden langsam schlechter. Aber dafür kann sie inzwischen eine Maus husten hören… zumindest ist sie fest davon überzeugt. 😉
Und ganz ehrlich?
Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als dass sie uns noch viele Jahre mit genau diesem Blick, dieser Ruhe und diesem wundervollen Wesen begleitet.
Alles Liebe zum Geburtstag, meine Heidi. – Danke, dass ich dein Mensch sein darf.



















































