IVA beim Rhodesian Ridgeback

Genetische Veranlagung ist nicht gleich Herzerkrankung
Wissenschaftliche Aufklärung für Züchter und Hundehalter | Forschungsstand Oktober 2026
Die Gesundheit unserer Hunde ist eine der wichtigsten Grundlagen verantwortungsvoller Hundezucht. Genetische Untersuchungen können uns dabei helfen, erbliche Risiken zu erkennen, Verpaarungen bewusster zu planen und die Gesundheit nachfolgender Generationen zu fördern.
Doch nicht jeder genetische Befund ist automatisch eine Krankheitsdiagnose. Und nicht jeder Hund, der eine mit einer Erkrankung assoziierte Genvariante trägt, wird tatsächlich krank.
Ein Beispiel dafür ist die sogenannte Inherited Ventricular Arrhythmia (IVA) beim Rhodesian Ridgeback.
Seit einigen Jahren wird diese Erkrankung wissenschaftlich untersucht. Dabei wurde eine genetische Variante identifiziert, die mit bestimmten Herzrhythmusstörungen in Verbindung gebracht wird.
Die Ergebnisse dieser Forschung sind wichtig. Ebenso wichtig ist jedoch, ihre Aussagekraft und ihre Grenzen zu verstehen.
Dieser Artikel erläutert, was die Wissenschaft bisher über IVA beim Rhodesian Ridgeback herausgefunden hat, welche Bedeutung der Gentest besitzt und weshalb verantwortungsvolle Zuchtentscheidungen mehr erfordern als die Betrachtung eines einzelnen DNA-Ergebnisses.
1. Was ist IVA?
Die Abkürzung IVA steht für Inherited Ventricular Arrhythmia, auf Deutsch: erbliche ventrikuläre Herzrhythmusstörung.
Bei einer ventrikulären Arrhythmie entstehen elektrische Impulse in den Herzkammern, die den normalen Herzrhythmus stören können.
Je nach Art, Häufigkeit und Schweregrad können solche Rhythmusstörungen ohne erkennbare Beschwerden verlaufen oder zu Leistungsschwäche, Ohnmacht und in schweren Fällen zum plötzlichen Herztod führen.
Beim Rhodesian Ridgeback wurden entsprechende Rhythmusstörungen insbesondere bei jungen Hunden innerhalb bestimmter verwandter Linien dokumentiert.
Wichtig: IVA ist nicht mit der dilatativen Kardiomyopathie (DCM) gleichzusetzen.
Während DCM eine Erkrankung des Herzmuskels ist, bei der unter anderem Veränderungen der Herzkammern und ihrer Pumpfunktion auftreten können, handelt es sich bei IVA vorrangig um eine Störung der elektrischen Herzaktivität.
Ein Hund kann deshalb im Herzultraschall ein strukturell unauffälliges Herz zeigen und dennoch zeitweise Herzrhythmusstörungen entwickeln.
2. Genetisch positiv bedeutet nicht automatisch herzkrank
Bei der Erforschung der IVA wurde eine Variante im Gen QIL1 identifiziert, die mit ventrikulären Arrhythmien assoziiert ist.
Ein DNA-Test kann feststellen, ob ein Hund die untersuchte Variante nicht trägt, eine Kopie besitzt oder zwei Kopien besitzt.
Diese Ergebnisse werden häufig als genetisch frei, Träger oder genetisch betroffen bezeichnet.
Gerade die Bezeichnung „genetisch betroffen“ kann missverständlich sein.
Ein Hund mit zwei Kopien der untersuchten Variante ist nicht automatisch klinisch an IVA erkrankt. Der Test beschreibt seinen Genotyp, nicht den tatsächlichen Zustand seines Herzens.
Ebenso bedeutet ein negatives Testergebnis nicht, dass ein Hund grundsätzlich vor Herzrhythmusstörungen geschützt ist.
Um den Gesundheitszustand beurteilen zu können, müssen genetische Ergebnisse gemeinsam mit kardiologischen Untersuchungen und der familiären Krankengeschichte betrachtet werden.
3. Die erste wissenschaftliche Untersuchung – familiäre Herzrhythmusstörungen (2016)
Im Jahr 2016 veröffentlichten Meurs und ihre Forschungskollegen eine Untersuchung zu Herzrhythmusstörungen innerhalb einer Rhodesian-Ridgeback-Familie.
Ausgangspunkt waren vier junge Hunde, die im Alter von etwa sieben bis zwölf Monaten plötzlich verstorben waren.
Anschließend wurden 21 lebende verwandte Hunde kardiologisch untersucht. Bei acht von ihnen wurden ventrikuläre Tachyarrhythmien festgestellt.
Die Ergebnisse zeigten, dass innerhalb dieser Familie eine Häufung von Herzrhythmusstörungen vorlag. Die Forscher vermuteten deshalb eine erbliche Ursache. Allerdings konnten sie anhand dieser Untersuchung nicht sämtliche Fragen zum Vererbungsmodus und zur individuellen Erkrankungswahrscheinlichkeit beantworten.
Was diese Studie belegt: Bei Rhodesian Ridgebacks können familiär gehäufte, potenziell lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen auftreten.
Was sie nicht belegt: Dass jeder genetisch positiv getestete Rhodesian Ridgeback zwangsläufig erkrankt oder frühzeitig verstirbt.
Quelle: Meurs et al. (2016) – Originalveröffentlichung bei PubMed
4. Die Entdeckung der QIL1-Variante (2019)
Im Februar 2019 veröffentlichten Meurs und Kollegen eine weitere wissenschaftliche Arbeit in der Fachzeitschrift Genes.
Die Forscher untersuchten das Erbgut von Rhodesian Ridgebacks aus der betroffenen Familie und verglichen genetische Varianten mit Referenzdaten anderer Hunderassen.
Dabei identifizierten sie eine Variante im Gen QIL1, die statistisch mit den beobachteten Herzrhythmusstörungen assoziiert war.
Das Gen ist an Prozessen beteiligt, die für die Struktur und Funktion der Mitochondrien wichtig sind. Mitochondrien sind unter anderem für die Energieversorgung der Zellen verantwortlich.
Da das Herz einen besonders hohen Energiebedarf besitzt, können Störungen dieser Prozesse auch Auswirkungen auf seine Funktion haben.
Die Studie lieferte somit einen wissenschaftlich begründeten Zusammenhang zwischen einer genetischen Variante und den untersuchten Rhythmusstörungen.
Allerdings bleibt eine wichtige Unterscheidung bestehen: Eine genetische Assoziation allein bestimmt nicht zuverlässig den individuellen Krankheitsverlauf jedes Hundes.
Quelle: Meurs et al. (2019) – Vollständige wissenschaftliche Originalstudie

5. GenoCan 2022 – Was zeigen DNA-Test und Langzeit-EKG tatsächlich?
Eine besonders interessante Auswertung wurde im Februar 2022 von GenoCan veröffentlicht.
Zunächst wurden freiwillig zur Verfügung gestellte DNA-Ergebnisse von 244 Rhodesian Ridgebacks betrachtet.
Ergebnisse der genetischen Untersuchung
| IVA-Genotyp | Hunde | Anteil |
|---|---|---|
| Negativ | 43 | 17,6 % |
| Heterozygot positiv | 117 | 48,0 % |
| Homozygot positiv | 84 | 34,4 % |
| Gesamt | 244 | 100 % |
In dieser Datensammlung trugen somit mehr als 80 % der Hunde mindestens eine Kopie der untersuchten Variante.
Das allein sagt jedoch noch nichts darüber aus, wie viele dieser Hunde tatsächlich eine Herzerkrankung entwickelten.
Deshalb wurden in einer weiteren Datenerhebung auch die Ergebnisse von Langzeit-EKG-Untersuchungen betrachtet.
Vergleich von Genotyp und Holter-EKG bei 125 Hunden

Quelle: GenoCan 2022. Freiwillig gemeldete Daten; keine repräsentative Langzeitstudie.
| Genetisches Ergebnis | Untersuchte Hunde | Auffälliges Holter-EKG |
|---|---|---|
| Homozygot positiv | 54 | 13 |
| Heterozygot positiv | 48 | 10 |
| Negativ | 23 | 4 |
| Gesamt | 125 | 27 |
Die Anteile der Hunde mit auffälligen Holter-Befunden lagen in dieser Datensammlung zwischen 17 % und 24 %.
Bemerkenswert ist, dass auch unter den genetisch negativ getesteten Hunden Rhythmusstörungen festgestellt wurden.
GenoCan bewertete auf Grundlage dieser Ergebnisse die Vorhersagekraft des Gentests kritisch. (GenoCan.eu | Genetic testing of dogs)
Was bedeuten diese Ergebnisse?
Die Daten verdeutlichen, weshalb genetische Untersuchungsergebnisse nicht isoliert betrachtet werden sollten.
Allerdings handelt es sich um freiwillig gemeldete Daten, nicht um eine repräsentative, kontrollierte klinische Studie. Unterschiede zwischen den Gruppen können durch die Auswahl der Hunde, ihr Alter oder andere Einflussfaktoren mitbedingt sein.
Die GenoCan-Auswertung ist deshalb ein wichtiger Beitrag zur Diskussion über die Aussagekraft des Markers. Sie widerlegt aber nicht automatisch die genetische Assoziation, die in der Originalstudie von 2019 festgestellt wurde.
Quelle: GenoCan (2022) – Does it make sense to test for Inherited Ventricular Arrhythmia?
6. North Carolina State University – Warum die genetische Vielfalt berücksichtigt werden muss
Die North Carolina State University, die maßgeblich an der Erforschung der QIL1-Variante beteiligt war, veröffentlichte eine offizielle Interpretation der IVA-Gentestergebnisse.
Darin wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass genetisch positive Hunde nicht zwangsläufig eine schwere Herzerkrankung entwickeln oder daran versterben.
Nach den damaligen Forschungsdaten entwickelten ungefähr 60 % der positiv getesteten Hunde Herzrhythmusstörungen. Bei vielen Hunden schienen diese zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr zurückzugehen.
Die Universität empfiehlt deshalb bei genetisch positiven Hunden wiederholte Holter-Untersuchungen zwischen dem sechsten Lebensmonat und dem dritten Lebensjahr.
Besonders bedeutsam ist die Einschätzung zur Zucht:
Die Universität warnt davor, zahlreiche Hunde allein aufgrund ihres genetischen Ergebnisses aus der Zuchtpopulation zu entfernen. Dadurch könnten auch andere wertvolle genetische Eigenschaften verloren gehen und die genetische Vielfalt der Rasse beeinträchtigt werden. (Veterinary Hospital)
Diese Warnung bedeutet nicht, dass genetisch positive Hunde grundsätzlich uneingeschränkt zur Zucht eingesetzt werden sollten.
Sie bedeutet vielmehr, dass Zuchtentscheidungen sorgfältig getroffen werden müssen und der gesamte gesundheitliche und genetische Hintergrund eines Hundes berücksichtigt werden sollte.
Verantwortungsvolle Zucht bedeutet deshalb nicht automatisch den Ausschluss jedes genetisch positiven Hundes. Sie bedeutet eine sorgfältige Risikobewertung.
Quelle: NC State University – Full Results Interpretations (2023), Seite 2
7. Neue GenoCan-Auswertung vom 8. Oktober 2025 – Ergebnisse von 400 Rhodesian Ridgebacks
Im Oktober 2025 veröffentlichte GenoCan eine weitere genetische Datenauswertung von 400 Rhodesian Ridgebacks aus verschiedenen europäischen Ländern, darunter Deutschland, die Niederlande, Frankreich, Österreich und weitere Länder.
Neben verschiedenen genetischen Merkmalen und Erkrankungsvarianten wurden auch die Ergebnisse des IVA-Markers ausgewertet.
Ergebnisse zum IVA-Marker
| Genotyp | Anzahl | Anteil |
|---|---|---|
| N/N – ohne untersuchte Variante | 239 | 59,75 % |
| P/N – heterozygot | 151 | 37,75 % |
| P/P – homozygot | 10 | 2,5 % |
| Gesamt | 400 | 100 % |
GenoCan kommt in seiner Veröffentlichung zu der Einschätzung, dass der untersuchte IVA-Marker für die klinische Risikovorhersage nur einen sehr geringen Nutzen besitzt.
Das Unternehmen weist ausdrücklich darauf hin, dass ein negatives Ergebnis ventrikuläre Arrhythmien nicht ausschließt und ein positives Ergebnis keine Erkrankung bestätigt.
Daraus leitet GenoCan die Empfehlung ab, weder züchterische noch klinische Entscheidungen allein auf diese Variante zu stützen. (GenoCan.eu | Genetic testing of dogs)
Wissenschaftliche Einordnung
Die Veröffentlichung ist eine genetische Datenauswertung, keine kontrollierte klinische Langzeitstudie mit 400 kardiologisch untersuchten Hunden.
Die Zahlen allein können daher nicht beweisen, ob ein bestimmter Genotyp das Erkrankungsrisiko erhöht oder nicht.
Außerdem unterscheiden sich die Genotypverteilungen von 2022 und 2025 erheblich. Ohne nähere Informationen über die Auswahl und Zusammensetzung der untersuchten Hunde lässt sich daraus keine verlässliche Veränderung innerhalb der gesamten Rassepopulation ableiten.
Die Veröffentlichung ergänzt somit die Diskussion über die Aussagekraft des Gentests, ersetzt aber keine klinische Validierungsstudie.
Quelle: GenoCan (08.10.2025) – Genetics of the Rhodesian Ridgeback: Population findings from 400 tested dogs
8. Welche kardiologischen Untersuchungen sind sinnvoll?
Die Herzgesundheit eines Rhodesian Ridgebacks lässt sich nicht anhand eines einzelnen genetischen Markers beurteilen.
Je nach Fragestellung stehen unterschiedliche Untersuchungsmethoden zur Verfügung.
| Untersuchung | Was wird untersucht? |
|---|---|
| Herzultraschall (Echokardiografie) | Herzstruktur, Herzkammern, Klappen und Pumpfunktion |
| Doppler-Echokardiografie | Blutströmung und bestimmte Funktionsstörungen |
| Ruhe-EKG | Elektrische Herzaktivität während einer kurzen Aufzeichnung |
| 24-Stunden-Holter-EKG | Herzrhythmus über einen längeren Zeitraum, einschließlich zeitweise auftretender Arrhythmien |
| Genetischer QIL1-Test | Vorhandensein der untersuchten DNA-Variante |
Gerade beim Verdacht auf IVA ist das Langzeit-EKG von besonderer Bedeutung.
Ein unauffälliger Herzultraschall ist ein wertvoller Befund, kann aber intermittierende Herzrhythmusstörungen nicht zuverlässig ausschließen.
Auch ein unauffälliges Holter-EKG bedeutet nicht, dass zu einem anderen Zeitpunkt niemals Rhythmusstörungen auftreten können.
Die North Carolina State University empfiehlt für genetisch positive Hunde insbesondere im Alter zwischen sechs Monaten und drei Jahren wiederholte Holter-Untersuchungen.
Bei einer familiären Vorbelastung oder auffälligen Befunden können weitere Untersuchungen durch einen spezialisierten Tierkardiologen sinnvoll sein.
9. Ernährung und Herzgesundheit
Eine ausgewogene, bedarfsgerechte Ernährung gehört zur allgemeinen Gesundheitsvorsorge jedes Hundes. Bestimmte Nährstoffe, darunter Taurin, spielen eine Rolle für die normale Herzfunktion. Ein Taurinmangel kann bei bestimmten Hunden mit ernährungsassoziierten Herzerkrankungen, insbesondere Formen der dilatativen Kardiomyopathie, zusammenhängen.
Für die QIL1-assoziierte IVA beim Rhodesian Ridgeback ist jedoch nicht nachgewiesen, dass eine erhöhte Taurinzufuhr die Entstehung von Herzrhythmusstörungen oder plötzlichen Herztod verhindert.
Auch eine Rohfütterung beziehungsweise BARF garantiert nicht automatisch eine bedarfsgerechte Nährstoffversorgung. Entscheidend ist die vollständige Zusammensetzung der Futterration.
Eine ausgewogene Ernährung ist daher ein wichtiger Bestandteil verantwortungsvoller Hundehaltung, ersetzt aber weder genetische Untersuchungen noch eine notwendige kardiologische Diagnostik.
10. Was bedeutet IVA für die verantwortungsvolle Zucht?
Genetische Untersuchungen können eine wertvolle Unterstützung bei der Zuchtplanung sein. Allerdings muss zwischen der Vererbung einer untersuchten DNA-Variante und der tatsächlichen Vererbung einer klinischen Erkrankung unterschieden werden.
Bei der QIL1-Variante lassen sich die erwarteten Genotypen der Nachkommen nach den üblichen Mendelschen Vererbungsregeln berechnen.
Beispielsweise entstehen bei einer Verpaarung eines homozygot positiven Hundes (P/P) mit einem genetisch negativen Hund (N/N) Nachkommen, die jeweils eine Kopie der untersuchten Variante tragen (P/N).
Diese Berechnung sagt jedoch nicht zuverlässig voraus, ob und in welchem Ausmaß bei diesen Nachkommen Herzrhythmusstörungen auftreten werden.
Eine gezielte Partnerwahl kann die Häufigkeit der Variante beeinflussen. Ein entsprechend geringeres klinisches Erkrankungsrisiko ist damit aber nicht automatisch nachgewiesen.
Verantwortung bedeutet individuelle Entscheidungen
Für eine verantwortungsvolle Zuchtplanung sollten deshalb mehrere Faktoren berücksichtigt werden:
- Kardiologische Untersuchungen und gegebenenfalls wiederholte Holter-EKGs.
- Dokumentierte Herzerkrankungen und plötzliche Todesfälle innerhalb der Familie.
- Genetische Ergebnisse beider Zuchtpartner.
- Gesundheitsentwicklung bereits vorhandener Nachkommen.
- Genetische Vielfalt und Verwandtschaftsgrad der geplanten Verpaarung.
- Tierärztliche und zuchtgenetische Beratung.
Bei nachgewiesenen klinisch bedeutsamen Rhythmusstörungen muss die Zuchteignung besonders kritisch beurteilt werden. Bei einem genetisch positiven, wiederholt kardiologisch unauffälligen Hund ist dagegen eine individuelle Bewertung erforderlich.
Ein pauschaler Ausschluss aller Hunde mit positivem QIL1-Befund lässt sich aus den hier dargestellten wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht als allgemeingültige Notwendigkeit ableiten.
11. IVA und der Begriff Qualzucht
Im Zusammenhang mit erblichen Erkrankungen wird häufig auch der Begriff Qualzucht verwendet.
In Deutschland bildet § 11b des Tierschutzgesetzes die maßgebliche gesetzliche Grundlage.
Das Gesetz verbietet bestimmte Zuchten, wenn aufgrund züchterischer Erkenntnisse zu erwarten ist, dass bei Nachkommen unter anderem erblich bedingte Schäden, Leiden oder Störungen auftreten, die die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllen.
Der Rhodesian Ridgeback besitzt mit dem Dermoid Sinus eine bekannte erblich beeinflusste gesundheitliche Problematik. IVA ist davon medizinisch und genetisch zu unterscheiden.
Ein positiver QIL1-Gentest allein ist jedoch weder eine klinische IVA-Diagnose noch automatisch ein rechtlicher Nachweis von Qualzucht.
Umgekehrt kann auch ohne einen eindeutig validierten Gentest eine konkrete Verpaarung tierschutzrechtlich problematisch sein, wenn andere belastbare Erkenntnisse entsprechende gesundheitliche Schäden erwarten lassen.
Eine rechtliche Beurteilung muss deshalb immer die konkreten züchterischen Erkenntnisse und die gesetzlichen Voraussetzungen berücksichtigen.
12. Fazit – Wissen schafft Verantwortung
Die wissenschaftlichen Untersuchungen zur Inherited Ventricular Arrhythmia beim Rhodesian Ridgeback haben wichtige Erkenntnisse geliefert.
Sie haben gezeigt, dass familiär gehäufte Herzrhythmusstörungen auftreten können und dass eine genetische Variante im QIL1-Gen mit entsprechenden Befunden assoziiert wurde.
Gleichzeitig zeigen die veröffentlichten Daten und die offiziellen Hinweise der North Carolina State University, dass genetische Testergebnisse nicht mit einer sicheren Vorhersage über die individuelle Herzgesundheit oder Lebenserwartung gleichgesetzt werden dürfen.
Ein genetisch positiver Hund muss nicht zwangsläufig klinisch erkranken. Ein genetisch negativer Hund ist nicht grundsätzlich vor Herzrhythmusstörungen geschützt. Verantwortungsvolle Zucht erfordert deshalb mehr als die Einteilung von Hunden in genetisch positiv und negativ.
Sie erfordert medizinische Untersuchungen, Kenntnisse über die Familienlinien, sorgfältige Zuchtplanung, transparente Dokumentation und die Bereitschaft, neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu berücksichtigen.
Die genetische Vielfalt einer Rasse ist dabei ebenso zu beachten wie die Vermeidung nachweisbarer gesundheitlicher Risiken.
Genetik soll uns helfen, verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen. Sie sollte weder Anlass zu unbegründeter Panik noch ein Ersatz für medizinische Diagnostik sein.
Denn verantwortungsvolle Hundezucht beginnt nicht mit der Angst vor einem genetischen Ergebnis, sondern mit dem Wissen, dieses Ergebnis richtig einzuordnen.
Wissenschaftliche Quellen und weiterführende Veröffentlichungen
Alle nachfolgenden Links führen zu den Originalveröffentlichungen. Die Erläuterungen dieses Artikels sind auf Deutsch verfasst.
1. Meurs et al. (2016) Ventricular arrhythmias in Rhodesian Ridgebacks with a family history of sudden death and results of a pedigree analysis for potential inheritance patterns. Journal of the American Veterinary Medical Association, 248, 1135–1138. Originalstudie 2016 auf PubMed
2. Meurs et al. (2019) A QIL1 Variant Associated with Ventricular Arrhythmias and Sudden Cardiac Death in the Juvenile Rhodesian Ridgeback Dog. Genes, 10(2), 168. DOI: 10.3390/genes10020168.Originalstudie 2019 – frei zugänglicher Volltext
3. GenoCan (9. Februar 2022) -Does it make sense to test for Inherited Ventricular Arrhythmia (RR IVA) in Rhodesian Ridgebacks? Auswertung freiwillig gemeldeter DNA-Ergebnisse und Holter-EKG-Daten. GenoCan – Auswertung 2022
4. North Carolina State University (2023) – Rhodesian Ridgeback Inherited Arrhythmia Genetic Testing – Full Results Interpretations. Offizielle Hinweise zur Interpretation der Gentestergebnisse, Holter-Untersuchungen und Zuchtentscheidungen, Seite 2.Universitätsdokument 2023 (PDF)
5. GenoCan (8. Oktober 2025) – Genetics of the Rhodesian Ridgeback: Population findings from 400 tested dogs. – Genetische Datenauswertung einschließlich des IVA-Markers.GenoCan – Veröffentlichung 2025
6. Rechtliche Grundlage § 11b Tierschutzgesetz – amtlicher Gesetzestext
Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel dient der wissenschaftlichen und züchterischen Information. Er ersetzt keine individuelle tierkardiologische Untersuchung oder Beratung. Die GenoCan-Veröffentlichungen sind Datenauswertungen beziehungsweise fachliche Einschätzungen und nicht mit kontrollierten klinischen Langzeitstudien gleichzusetzen.
